Quelle als mahnendes Beispiel

 

03.11.2009 , Osttüringer Zeitung, Tino Zippel

In Jena tauschen sich Experten über Entwicklungen im elektronischen Handel aus

Jena - Für erfolgreiches E-Commerce braucht es mehr als nur den Katalog ins Internet zu stellen. Auf dieses Fazit brachte Intershop-Vorstand Peter Mark Droste die Fehlentwicklungen beim insolventen Versandhaus Quelle gestern in Jena. Dort tagen bis heute 57 Firmen zu den Entwicklungen des elektronischen Handels.

Die Ironie der Geschichte bei Quelle: Jetzt im Ausverkauf nutzt das Unternehmen die Stärke des Internets. Am Montag verarbeitete die Intershop-Software, die hinter der Quelle-Plattform steckt, 86 000 Bestellungen. "Unsere Software funktioniert einwandfrei, nur die Server stöhnen unter der hohen Zahl der Nutzeranfragen", sagt Droste. Bislang lag der Höchstwert bei 50 000 Bestellungen, die eine Intershop-Plattform binnen 24 Stunden verarbeitete. Bislang hielt Otto den Rekord mit einem Tag kurz vor Weihnachten.

Kerstin Schilling, Organisatorin der Tagung "Insight E-Commerce", räumte ein, dass die Wirtschaftskrise nicht am elektronischen Handel vorbeigeht. Dennoch bestünden Wachstumschancen, vor allem in Osteuropa. Dieser Region widmet sich etwa der Jenaer Anbieter ALEA, der Firmen hilft, intern verschiedene Verkaufskanäle wie Filialgeschäft und Onlinehandel zu verknüpfen. Geschäftsführerin Helga Trölenberg-Buchholz weist auf die Besonderheiten der Märkte hin. "Der russische Konsument ist deutlich anspruchsvoller als die Nutzer hierzulande." So müssten Werbeaktionen per E-Mail hochwertiger aufbereitet sein, um Erfolge zu erzielen. Außerdem seien im Aktionskalender die veränderten Feiertage zu berücksichtigen.

Erfahrungen sammelte auch das kanadische Unternehmen Truition, dessen Europa-Zentrale in Jena sitzt. Vor zwei Jahren gestaltete die Firma den Webauftritt von Philips für den russischen Markt. "Allein die kyrillische Schrift verlangt einige Anpassung der Software", sagt Christof Sander. Die Erfahrung zeige, dass zumeist die Eliten das Angebot nutzen. Oft werde hochwertige Ware bestellt und per Vorkasse gezahlt. Schwieriger als hierzulande sei die Logistik zu stemmen - anders als in Deutschland könne der Transport schon einmal anderthalb Wochen dauern.

Russische Versandhändler wissen von geringeren Retoure-Raten zu berichten als in Deutschland üblich, wo bei Textilien 30 bis 50 Prozent der Pakete vom Kunden zum Händler zurückgeschickt werden. Das liegt auch daran, weil in Russland Sammelbesteller wegen der geringen Durchdringung mit Internet weit verbreitet sind. "Sie sehen sich als eine Art Agentur", berichtet Trölenberg-Buchholz. Ein Modell, das sie durchaus als Hoffnungsschimmer für die vielen Quelle-Agenturen sieht.

Die Inhaber sollten sich einen Laptop zulegen und für Kunden im Internet bestellen. Sie hätten mit ihren Geschäften einen gut eingeführten Anlaufpunkt - und könnten nun sogar mit Waren mehrerer Versandhändler dienen.